„Eine Gesellschaft, die sich auf eine Technik einlässt, braucht eine starke innere Kraft, um von den Zielen nicht verführt, zu gierig zu werden.“

– Joseph Weizenbaum

Seien wir ehrlich mit uns selbst: ist die Gesellschaft nicht bereits gierig ständig online zu sein? Der dauernde ritualisierte Griff in die Tasche nach dem Smartphone, in dem ein wichtiger Teil unserer Lebensgeschichte schlummert. Zwischenmenschliche Beziehungen werden regelmässig mittels WhatsApp, Facebook Messenger oder WeChat geführt und beendet.

Wie viele Smartphones, Laptops, Surfaces, IPads etc. benutzen Sie privat? Mit sieben Geräten im Einzelhaushalt liege ich leicht über der Norm (vier); Statistiken belegen, dass 96-99% der Schweizer im Alter von 15-54 Jahren zu Hause Internetzugang haben und mindestens über 1 Smartphone und ein Endgerät verfügen. Ohne Wifi sind Joballtag und Privatleben kaum mehr vorstellbar. Ohne eine Verschwörung herbeirufen zu wollen, aber vermutlich würde der Ausfall von Wifi eine wirtschaftliche Katastrophe weltweit auslösen. Fakt ist, dass wir z.B. täglich durchschnittlich 149 Minuten im Internet verbringen (vgl. 2017).

Aber nicht nur in unserem Privatleben, in unserem „Smart home“, das wir morgens verlassen, ist  «always online» zu sein gang und gäbe. Die digitalen durch Technologie ausgelösten Veränderungsprozesse halten auch immer mehr am Arbeitsplatz, im Unternehmen Einzug.

Experimentelle Studien belegen, dass sobald die Geräte genutzt werden, sich private und berufliche Kontexte zu verschieben und verwischen begannen: Es besteht jedoch nicht nur ein erhöhter Druck, digital beruflich auch in der Freizeit erreichbar zu sein, sondern auch privat während der Arbeitszeit (Genner, 2017, 63f).

Sind wir also schon von der von Weizenbaum in den späten 60igern angedrohten Gier befallen?

Im Unternehmen, sei es im Recruitment, der Automatisierung von (Kommunikations)prozessen, Abwicklung von Transaktionen mittels Chatbots etc.: Alles unterstützt von künstlicher Intelligenz (KI), die ein zentraler Treiber dieser Veränderungsprozesse, der sogenannten digitalen Transformation ist.

Die Beziehung von Mensch und Maschine wird mittels künstlicher Intelligenz (KI), also der Simulation von Intelligenz durch Maschinen, vereint mit Technologie und Chatbots, in Unternehmen vermehrt eingesetzt. Dies um u.a. den Informationsüberfluss zu bewältigen. Chatbots, also sprechende Roboter, die mittels Sprache mit Menschen interagieren, sollen den (Berufs)Alltag erleichtern.

Dank künstlicher Intelligenz (KI), Deep Learning, Big Data und neuronalen Netzwerken wird der Intelligenzgrad von Chatbots mehr und mehr erhöht. Der erste Chatbot ELIZA, ein von Joseph Weizenbaum in den späten 60igern entwickeltes Computerprogramm, zeigte auf, wie sich menschliche Sprache formalisieren lässt. Hiermit begann die Aera des „apparatus sapiens“ – damals noch von vielen belächelt. Niemand dachte, dass ELIZA annähernd 60 Jahre später durch Alexa, Siri, Cortana etc. ergänzt und das Zeitalter der digitalen Transformation in unseren Berufs-und Privatalltag Einzug halten würde.

Wobei anzumerken ist, dass die heutigen Chatbots im Vergleich zu ELIZA (noch) nicht den Eindruck vermitteln wollen, dass sie ein menschliches Gegenüber seien.  „Beim Menschen geschieht die Bildung eines Wertesystems durch Sozialisation, Umwelt und Erziehung“, so DFKI-Forscher Gebhard. „Aber möglicherweise könnten diesen Job zukünftig bei Robotern selbstlernende Systeme übernehmen”, hofft er.

Künstliche Intelligenz und der Einfluss auf Marketing & PR im Unternehmen

Wie verändert also KI das Marketing und Kommunikationsverhalten in Unternehmen? Massiv! Im Marketing werden mittels KI Unmengen von Daten interpretiert. Kognitive Computersysteme interpretieren Daten aus unterschiedlichen Quellen. Dadurch lassen sich neue Korrelationen herstellen. Sie ermöglichen hochindividualisierte Angebote und schaffen noch passendere Markenerlebnisse.

Aber auch Public Relations kann von künstlicher Intelligenz profitieren, sei es bei Standard Tätigkeiten, wie zum Beispiel das Erstellen von Medienverteilern, der Entwicklung von Daten bezogenen Stories. Auch um in der Krisenkommunikation Kommunikationsprozesse zu standardisieren. Das Monitoring von Social Media nicht zu vergessen.

Viele PR Agenturen verwenden bereits  KI basierte PR Werkzeuge  wie z.B. Trendkite, AirPR oder Hootsuite.  Daten, die KI Public Relations zur Verfügung stellt, haben eine noch höhere und effizientere auf Zielgruppen fokussierte Kommunikation zur Folge. Weniger als SPAM klassifizierte Information, und höhere Erfolgs-und Lese-und Klickquoten. Also auch positive Aspekte, die man berücksichtigen sollte. KI – wir lieben dich!

Angst vor dem Arbeitsplatzverlust

Eine  ZHAW-Studie zeigt, dass es kein einheitliches Verständnis von Digitalisierung, digitaler Transformation oder Arbeiten 4.0 gibt. «Einige der Befragten verstehen darunter Automatisierung und Beschleunigung, andere mobil-flexible Arbeitsformen oder Social Media», sagt ZHAW-Forscherin Sarah Genner. Wieder andere denken an Industrie 4.0, Big Data, Robotik oder Künstliche Intelligenz. «Obwohl gemäss vielen Studien knapp die Hälfte der Arbeitsplätze durch die digitale Transformation wegfallen wird, denken mehr als drei Viertel, dass ihr Job in Zukunft nicht durch Maschinen ersetzt wird». Dies ist womöglich auch auf das überdurchschnittlich hohe Bildungsniveau der Befragten zurückzuführen. Denn der Jobverlust durch Digitalisierung betrifft in der Regel eher weniger gut Ausgebildete (vgl. Werbewoche).

Die digitale Transformation macht vor niemandem halt. Love it or leave it. Wobei es schwierig werden dürfte sich dieser völlig zu entziehen. Es gibt jedoch noch Orte, an welchen man nicht erreichbar, alles analog und digitales Detoxing möglich ist. Wo? Schauen Sie einfach im worldwideweb nach.

Open chat
Powered by